Indus­­trie-Umsatz sinkt erstmals seit zehn Jahren

FREIBURG-MUNZINGEN. Der konjunk­tu­relle Abschwung ist in der Breite der südba­di­schen Indus­trie angekommen – das zeigen die Zahlen aus der aktuellen Konjunk­tur­um­frage des Wirtschafts­ver­bands Indus­tri­eller Unter­nehmen Baden (WVIB).

Für das Jahr 2019 meldeten die WVIB-Mitglied­s­un­­­ter­­nehmen insge­samt einen leichten Umsatz­rück­gang von ‑0,12 Prozent. Das ist weit entfernt vom Umsatz­plus der Vorjah­res­pe­riode von acht Prozent. WVIB-Haupt­­ge­­schäfts­­­führer Chris­toph Münzer: „Wir blicken – histo­risch einmalig – auf zehn Jahre konjunk­tu­relle Hochphase zurück. Handels­kriege, anwach­sender Populismus und inter­na­tio­nale Abschot­tung, Brexit, der Iran-Konflikt und jetzt auch das Corona­virus nagen seit Kurzem an der Stimmung. Auch die sich abzeich­nende kosten­be­dingte Verla­ge­rung von Teilen unserer Automo­bil­in­dus­trie ins Ausland wirft ihre Schatten voraus. Der Absturz ist bei weitem nicht so steil wie 2009, könnte aber länger dauern.”

Diese negative Tendenz wird durch die Frage nach der Kapazi­täts­aus­las­tung der Unter­nehmen bestä­tigt. 49 Prozent der befragten Unter­nehmer antwor­teten mit „Vollaus­ge­lastet“ – ein deutlich niedri­gerer Wert im Vergleich zur Vorjah­res­pe­riode (2018: 73 Prozent). Mit „Überaus­ge­lastet“ antwor­teten drei Prozent der Befragten (2018: sieben Prozent), mit „Unter­aus­ge­lastet“ 48 Prozent (2018: 20 Prozent).

Talsohle ist vielleicht schon erreicht

Die Umfrage zeigt, dass die konjunk­tu­relle Talsohle mögli­cher­weise erreicht ist. 26 Prozent der befragten Unter­nehmer erwarten in den nächsten sechs Monaten eine steigende Umsatz­ent­wick­lung, 49 Prozent gleich­blei­bende, und ledig­lich 25 Prozent sinkende Umsätze.

Der Umsatz ist bei 45 Prozent (Vorjah­res­zeit­raum 77 Prozent) der Unter­nehmen gewachsen, bei vier Prozent ist er gleich geblieben. 51 Prozent mussten einen Rückgang hinnehmen (2018: 19 Prozent).

Bei den Auftrags­ein­gängen für 2019 meldeten ledig­lich 29 Prozent der Unter­nehmen gestie­gene Auftrags­ein­gänge. Im Vorjah­res­zeit­raum lag dieser Wert noch bei 61 Prozent. 18 Prozent der Befragten gaben gleich­blei­bende, 53 Prozent gefal­lene Auftrags­ein­gänge an (2018: 19 Prozent). Insge­samt fielen die Auftrags­ein­gänge um fünf Prozent gegen­über dem Vorjahr. In der Vorjah­res­pe­riode wuchsen diese noch um fünf Prozent. „Vermut­lich sind wir im Tal angekommen und fragen uns, wie breit die Talsohle diesmal sein wird”, so Münzer.

Die aktuelle Einschät­zung bei der Ertrags­lage: 25 Prozent der Unter­nehmen berichten derzeit von einer guten Ertrags­lage (2018: 42 Prozent) und 52 Prozent schätzen diese als befrie­di­gend ein (2018: 49 Prozent). 22 Prozent schätzen die Ertrags­lage als schlecht ein (2018: neun Prozent). Die Befragten zeigen für die Ertrags­lage in den kommenden sechs Monaten verhal­tenen Optimismus. 17 Prozent rechnen mit steigenden Erträgen (2018: 18 Prozent). 66 Prozent schätzen, dass diese sich nicht verän­dern (2018: 66 Prozent). Nur 17 Prozent der Unter­nehmer rechnen mit einer sinkenden Ertrags­lage.

Perso­nal­aufbau läuft weiter

Der Perso­nal­aufbau in der Südwest­in­dus­trie hält trotz der Abküh­lung der Konjunktur an. Insge­samt beschäf­tigten die befragten Unter­nehmen noch rund 300 Mitar­beiter mehr als im Vorjah­res­zeit­raum. 44 Prozent der Unter­nehmen haben ihre Beleg­schaft vergrö­ßert, 16 Prozent haben ihre Mitar­bei­ter­zahl im Vergleich zu 2018 konstant gehalten.

Die Lage beim Mitar­­beiter-Recrui­­ting wird sich aus Sicht der WVIB-Unter­­nehmer in den kommenden Monaten entspannen: Rund 80 Prozent der Betrieb planen gleich­blei­bende Mitar­bei­ter­zahlen oder gar weitere Einstellungen­ – ein moderater Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (2018: 89 Prozent).

Die Inves­ti­ti­ons­nei­gung bei den Unter­nehmen bleibt im Vergleich zum Vorjahr halbwegs konstant, was am besten die grund­sätz­liche Zuver­sicht illus­triert. Die durch­schnitt­liche Inves­ti­ti­ons­quote gemessen am Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr mit sechs Prozent leicht rückläufig (2018: sieben Prozent). Bei der erwar­teten Entwick­lung für die Inves­ti­tionen in den nächsten sechs Monaten ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 31 Prozent der befragten Unter­nehmen rechnen mit sinkender Entwick­lung (2018: 20 Prozent), 24 Prozent planen steigende Inves­ti­tionen (2018: 30 Prozent). Rund die Hälfte der Befragten geht von gleich­blei­benden Inves­ti­tionen aus, was dem Vorjah­res­wert entspricht.

Die WVIB-Konjun­k­­tur­­zahlen der wurden im Rahmen einer Presse­kon­fe­renz beim Mitglieds­un­ter­nehmen KNF-Neuberger in Freiburg-Munzingen vorge­stellt. Bei einer Online­um­frage ermit­telt der WVIB zweimal jährlich die Konjunk­tur­daten der gut 1.000 Mitglieds­be­triebe. Rund 400 Mitglieder gaben ihre Zahlen pünkt­lich ab.

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