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Promi­nente Preis­träger in Freiburg

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Gleich zwei europäi­sche Regie­rungs­chefs waren heute zu Gast in Freiburg, um dort den Fried­rich-August-von-Hayek-Preis in Empfang zu nehmen. Andrus Ansip, der Minis­ter­prä­si­dent von Estland, und Valdis Dombrovskis, der Minis­ter­prä­si­dent von Lettland, erhielten die Auszeich­nung für ihre erfolg­reiche liberale Steuer- und Wirtschafts­po­litik in den vergan­genen Jahren. Für die Prinzi­pien des Libera­lismus hatte sich zu Lebzeiten auch der Ökonom und Sozial­phi­lo­soph Hayek stark gemacht. Der Hayek-Publi­zis­tik­preis ging gestern an den Journa­listen Rainer Hank von der Frank­furter Allge­meinen Sonntags­zei­tung. Die Verlei­hung stand ganz im Zeichen der Euro-Schuldenkrise.
Alle zwei Jahre vergibt die 1999 ins Leben gerufene, in Freiburg behei­ma­tete Hayek-Stiftung Preise an Persön­lich­keiten, die sich in außer­ge­wöhn­li­cher und beispiel­hafter Weise für eine freiheit­liche Wirtschafts- und Gesell­schafts­ord­nung einge­setzt haben. Die Stiftung ist dabei den Überzeu­gungen ihres Namens­ge­bers verpflichtet, des öster­rei­chi­schen Wirtschafts­wis­sen­schaft­lers Fried­rich August von Hayek. Dieser lehrte von 1962 bis 1969 an der Freiburger Univer­sität und verbrachte in Freiburg von 1977 bis 1992 auch seinen Lebens­abend. Im Jahr 1974 erhielt Hayek den Nobel­preis für Wirtschafts­wis­sen­schaften. Er zählt zu den prägenden Denkern des Libera­lismus im 20. Jahrhundert.

China lockt — fatalerweise

Bei der gestrigen Preis­ver­lei­hung im Histo­ri­schen Kaufhaus am Freiburger Münster­platz kam keiner der Festredner und Preis­träger ohne Bezüge zur gegen­wär­tigen Euro-Schul­den­krise aus. Otmar Issing, selbst Ökonom, von 1998 bis 2006 Direk­to­ri­ums­mit­glieder der Europäi­schen Zentral­bank und derzeit unter anderem Berater der US-ameri­ka­ni­schen Invest­ment­bank Goldman Sachs, wies bei seinem Vortrag darauf hin, dass Hayeks Warnung vor dem Verlust der Freiheit derzeit in Europa aktueller denn je sei. Das Vertrauen in die Markt­wirt­schaft sei durch die Krise schwer beschä­digt. Issing sprach von einem Trend zur “Exper­to­kratie” und Bevor­mun­dung der Menschen. Staat­liche Eingriffe und staat­liche Lenkung nach chine­si­schem Vorbild würden in einem solchen Umfeld fataler­weise an Anzie­hungs­kraft gewinnen.

Estland und Lettland als Beispiele

Dass wirtschaft­liche Krisen­zeiten im Gegen­teil auch durch bewussten Verzicht auf staat­liche Rettungs­ak­tionen und statt­dessen durch Sparsam­keit und Abbau von Regulie­rungen zu meistern seien, dafür stünden die diesjäh­rigen Träger des inter­na­tio­nalen Hayek-Preises, so Laudator Leszek Balce­ro­wicz, polni­scher Finanz- und Wirtschafts­po­li­tiker und im Jahr 2001 selbst Hayek-Preis­träger. Die Vorge­hens­weise von Andrus Ansip in Estland und Valdis Dombrovskis in Lettland könne auch für Griechen­land und Portugal ein gangbarer Weg sein. Beide Politiker hatten in ihren Staaten mit einem massiven Konjunk­tur­ein­bruch in Folge der weltweiten Finanz­krise 2008/09 verbunden mit einem hoch defizi­tären Haushalt zu kämpfen. Beide setzten auf rigide Ausga­ben­kür­zungen. Estland ging daraus im Jahr 2010 als EU-Staat mit der geringsten Verschul­dungs­quote hervor.
Andrus Ansip (55) gab bei seiner Dankes­rede, die der Diplom-Chemiker auf Deutsch hielt, die Anerken­nung an seine Amtsvor­gänger und alle seine Lands­leute weiter: “Das ist ein Preis für mein ganzes Volk.” Sein letti­scher Kollege Dombrovskis (40), eigent­lich studierter Physiker, warnte mit Blick auf Griechen­land vor einem Aufschieben der nötigen Gegen­maß­nahmen: “Aufschieben verlän­gert nur die Probleme.”

„Verant­wor­tungs­ei­gentum” wird vergessen

Der frühere Verfas­sungs­richter Paul Kirchhof hielt die Laudatio für Rainer Hank. Er lobte dessen publi­zis­ti­sches Eintreten für “Freiheit in Beschei­den­heit” — ganz in Hayek’scher Tradi­tion. In Zeiten, wo das Konzept des “Verant­wor­tungs­ei­gen­tums” in Verges­sen­heit gerate, sei dies hoch bedeutsam. Hank rief in seiner Dankes­rede dazu auf, die Macht­zen­tra­li­sie­rung in der EU zu stoppen und umzukehren. Außerdem müsse das Brechen von Verträgen, wie im Falle der No-Bailout-Klausel, ein Ende haben.
Die Preise überreichte der frühere Bundes­prä­si­dent Roman Herzog, der Vorsit­zende des Kurato­riums der Hayek-Stiftung. Die Preise sind nicht dotiert. Die Preis­träger erhalten aller­dings eine Plakette aus Gold. Stifter des Preises ist die Wüstenrot & Württem­ber­gi­sche AG.

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