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Essilor schließt Produk­tion, 110 Menschen verlieren ihren Job

Schlechte Nachrichten für rund 110 Mitar­beiter des Brillen­glas­her­stel­lers Essilor in Freiburg: Der franzö­si­sche Konzern will seine Produk­tion im Freiburger Gewer­be­ge­biet Haid komplett schließen.
Standard­gläser sollen künftig an billi­geren Stand­orten gefer­tigt werden – etwa in Asien. Am Donnerstag infor­mierte das Essilor-Manage­­ment die Beschäf­tigten über die Pläne. Wann genau die Menschen ihren Arbeits­platz verlieren werden, ist aber noch offen. Den Betrof­fenen stand der Schock ins Gesicht geschrieben, einige weinten.
Essilor hatte seine Produk­ti­ons­mit­ar­beiter am Donnerstag eigens von Freiburg nach Munzingen am Tuniberg kutschieren lassen, um ihnen mitzu­teilen, dass sie ihre Jobs verlieren werden. Das franzö­si­sche Unter­nehmen mit weltweit 35 000 Beschäf­tigten, einem Jahres­um­satz von knapp 3,3 Milli­arden Euro und einem Jahres­ge­winn von 555 Millionen Euro (Umsatz­ren­dite: 18,2 Prozent) will seine Brillen­glas­fer­ti­gung in Deutsch­land umbauen. In Freiburg und Braun­schweig werden Kunst­stoff­gläser herge­stellt. Von den beiden Stand­orten soll nur einer bleiben – Braunschweig.
Dort will der Konzern die Produk­tion von hochwer­tigen Gläsern konzen­trieren. Standard­kunst­stoff­gläser will Essilor gar nicht mehr in Deutsch­land fertigen. Das soll in Ländern mit gerin­geren Kosten geschehen – etwa in Essilor-Fabriken in Indien und Thailand, aber teils auch in Europa. Vertrieb, Marke­ting, Instru­mente und kaufmän­ni­sche Bereiche mit insge­samt rund 150 Beschäf­tigten bleiben dagegen in Freiburg.

Sorge und Verzweif­lung bei den Betroffenen

„Wie sollen wir jetzt wieder eine Arbeit finden?”, fragte verzwei­felt eine Essilor-Produ­k­­ti­on­s­­kraft, nachdem die Hiobs­bot­schaft in Munzingen verkündet worden war. „Viele von uns sind Anfang 50 und schon seit vielen Jahren aus unseren ursprüng­li­chen Berufen raus. Die nehmen uns ja nicht einmal mehr als Helfer auf dem Bau”, klagte einer ihrer Kollegen.
Wann die Menschen tatsäch­lich auf der Straße stehen, ist noch offen. Der Betriebsrat unter Vorsitz von Karl-Heinz Kling­berg hatte selbst erst am Donnerstag von den Umstruk­tu­rie­rungs­plänen erfahren. Auch einige Betriebs­rats­mit­glieder sind vom geplanten Stellen­abbau betroffen. Heute wollen die Perso­nal­ver­treter gemeinsam mit dem Gewerk­schafts­se­kretär Gerd Vetter von Verdi das weitere Vorgehen besprechen.
„Was Essilor vorhat, ist eine Betriebs­än­de­rung”, sagte Gerd Vetter. Der Betriebsrat habe nun zum einen die Möglich­keit, im Rahmen eines Inter­es­sen­aus­gleichs Änderungen der Essilor-Pläne anzuregen. Zum anderen obliege es dem Betriebsrat, einen Sozial­plan mit Essilor zu verein­baren. Dieser Plan soll die wirtschaft­li­chen Nachteile für die von der Schlie­ßung Betrof­fenen abmil­dern. Vetter: „Es geht dabei beispiels­weise um Abfin­dungs­zah­lungen oder um Quali­fi­zie­rungs­an­ge­bote.” Viele Mitar­beiter seien schon seit zwei oder sogar drei Jahrzehnten bei Essilor beschäf­tigt, ein wichtiger Faktor bei der Bemes­sung von Abfindungen.
Peter Lopez, Marke­ting­leiter von Essilor, vertei­digte den Stellen­abbau: „Standard­gläser können wir in Deutsch­land nicht mehr kosten­de­ckend herstellen, so heftig ist der Preis­wett­be­werb.” Die Kosten­vor­teile an billi­geren Stand­orten lägen „im zweistel­ligen Prozent­be­reich”. Für Braun­schweig habe bei Abwägung aller Faktoren letzt­lich mehr gespro­chen als für Freiburg, als es darum ging, welcher Kunst­­­stof­f­­glas-Produ­k­­ti­on­s­­standort in Deutsch­land überleben soll. Man wolle die betrof­fenen Mitar­beiter bei der beruf­li­chen Neuori­en­tie­rung unter­stützen, manchen eventuell auch Stellen in Braun­schweig anbieten.
Das Bundes­kar­tellamt hatte im Juni gegen führende Hersteller von Brillen­glä­sern wegen langjäh­riger verbo­tener Preis­ab­spra­chen Geldbußen im Gesamt­um­fang von 115 Millionen Euro verhängt – darunter auch Essilor. „Dies hat aber mit der jetzigen Umstruk­tu­rie­rung überhaupt nichts zu tun”, sagte Marke­ting­leiter Peter Lopez.
In Freiburg war der Vorläufer von Essilor die 1920 gegrün­dete Optischen Anstalt Emil Ehinger GmbH. 1973 wurde Ehinger Teil des Essilor-Konzerns. Das Unter­nehmen sitzt in der Bötzinger Straße 50.

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