„Beratung wird unmög­lich”

Die aktuelle Debatte um massive außer­plan­mä­ßige Kürzungen bei der Einspei­se­ver­gü­tung für Solar­strom betrifft auch die Freiburg Photo­­vol­­ta­i­k­an­lagen-Instal­la­­teure. Ich habe  mit Helmut Godard, dem Chef von Energossa, über die Situa­tion gespro­chen. Energossa schraubt schon seit 1987 Solar­mo­dule auf Dächer und gehört damit zu den Pionieren und erfah­rensten Spezia­listen der Branche bundes­weit.
Holger Schindler: Herr Godard, Hand aufs Herz! Ihre Branche kann sich momentan vor Aufträgen nicht retten, weil alle nun schnell, schnell noch ihre Solar­an­lage in Betrieb nehmen wollen. Anderer­seits werden sich solche Anlagen auch nach der Kürzung, auch  wenn sie dann keine  Traum­ren­diten mehr abwerfen, immer noch rechnen. Sie werden also auch künftig  Arbeit haben.So schlecht ist doch das gegen­wär­tige, von der Politik gemachte Solar­fieber für Sie gar nicht, oder?
Helmut Godard: Eine außer­plan­mä­ßige Kürzung der Einspei­se­ver­gü­tung an sich ist nicht das Problem. Und wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass wir auch in Zukunft Arbeit haben, denn Photo­vol­taik wird sich auch künftig noch rechnen. Aber eben erst, wenn die jetzige Torschluss­panik verflogen ist und die Leute wieder nüchtern denken können. Und genau hier liegt das Problem. Die Art und Weise, wie die Politik an diese Kürzungs­idee heran­geht, ist desas­trös. Die Kürzung ist zu heftig und vor allem erfolgt sie viel zu kurzfristig. Aber noch viel schlimmer ist,  dass sie bisher eine unver­bind­liche Ankün­di­gung ist. So wird jede Beratung und Planung unmög­lich. Über die jetzige Auftrags­flut können wir uns nicht freuen, denn durch den ohne Not geschaf­fenen Termin­druck ist Frust program­miert. Die Arbeits­be­las­tung für uns  und die Kollegen ist immens, doch Neuein­stel­lungen machen keinen Sinn, da es ja ein reines Stroh­feuer ist.
Schindler: Haben Sie so etwas schon mal erlebt?
Godard: Aller­dings. Weil die Solar­branche bisher  immer von öffent­li­cher Förde­rung abhängig war – früher noch mehr als heute –, hat es auch immer wieder mal heftige Verwer­fungen gegeben. Einmal hat die baden-württe­m­ber­gi­­sche Landes­re­gie­rung ohne jede Frist ihre Förde­rung für die Branche gestri­chen. Das war 1996, als die  große Koali­tion von CDU und SPD in Stutt­gart von  einer CDU-FDP-Regie­­rung abgelöst wurde. Quasi noch in der Wahlnacht hat der damalige Finanz­mi­nister   Mayer-Vorfelder die Unter­stüt­zung gestoppt. Das war ein sehr heftiger Schlag.
Schindler: Bisher hat sich aber die Solar­wirt­schaft immer wieder angepasst. Und die letzten Jahre  waren ja für Sie und andere  Instal­la­ti­ons­be­triebe ebenso wie für den Handel und die Modul­her­steller geradezu ein goldenes Zeitalter. Ist es da nicht Jammern auf hohem Niveau, was nun betrieben wird?
Godard: Was am meisten Not tut, ist Planungs­si­cher­heit und ein verläss­li­cher gesetz­li­cher Rahmen, der länger­fristig gilt. Dass wir früher plötz­liche Einschnitte bei der Förde­rung überstanden haben, heißt nicht, dass das auch in Zukunft immer gelingt. Insge­samt denke ich aber, dass die Instal­la­ti­ons­be­triebe noch am glimpf­lichsten davon kommen. Härter trifft eine Kürzung der Einspei­se­ver­gü­tung Modul­her­steller wie etwa die Solar­fa­brik. Denn die stehen in Konkur­renz mit Herstel­lern aus China. Je geringer die Einspei­se­ver­gü­tung, desto wichtiger der Modul­preis. Wir selbst versu­chen seit zwei Jahren, in Frank­reich ein zweites Stand­bein aufzu­bauen. Dort gibt es für Photo­vol­taik heute sogar mehr Unter­stüt­zung als bei uns. Der Markt hat also viel Poten­zial. Aller­dings ist es nicht ganz leicht, sich mit den Beson­der­heiten der franzö­si­schen Verwal­tung zurecht­zu­finden.
Energossa
Die Firma Energossa im Christaweg?6 (Gewer­be­ge­biet Haid)  baut seit 1987 Solar­strom­an­lagen und gehört damit  zu den Instal­la­ti­ons­be­trieben der ersten Stunde. Der Betrieb mit 15 Mitar­bei­tern ist voll auf Photo­vol­taik konzen­triert und hat mittler­weile 600 Anlagen  errichtet – darunter jene auf dem Rappen­ecker Hof am Schau­ins­land.