Dabei sein ist nicht mehr alles

Genau in einer Woche beginnt in Hannover die Cebit, die weltgrößte Compu­ter­messe. Knapp zwei Dutzend der 4300 dort insge­samt vertre­tenen Aussteller kommen aus der Region Freiburg. Für die hiesigen Firmen der Infor­­ma­­ti­on­s­­technik-Branche (IT) steht das Engage­ment in Hannover aller­dings zuneh­mend unter einem klaren Vorbe­halt: Es sollte sich direkt in Euro und Cent auszahlen. Cebit-Skepsis ist ein genereller Trend: Auf der Messe sind gut 1500 oder  ein starkes Viertel weniger Firmen vertreten als 2008.
Schon das dritte Jahr in Folge gar nicht mehr auf der Cebit dabei ist das Freiburger Software­un­ter­nehmen HR-Works in der Basler Landstraße 8. Thomas Holzer, Geschäfts­führer der 1996 gegrün­deten Firma mit derzeit zwölf Beschäf­tigten, spricht deutlich aus, warum dies so ist: „Die Cebit hat sich für uns einfach nicht mehr gerechnet.“ Den Cebit-Kosten von rund 20000  Euro seien zuletzt zu wenige zusätz­liche Umsätze durch den Messe­auf­tritt entge­gen­ge­standen. „Wir gehen nach wie vor auf Messen, aber nur auf solche, wo genau unsere Zielgruppe vertreten ist, etwa auf die ‚Zukunft Personal‘ in München“, so Holzer. HR-Works stellt Software für die effizi­ente Steue­rung von Perso­nal­pro­zessen her, etwa zur Reise­kos­ten­ab­rech­nung  oder zur Urlaubs­ver­wal­tung. Holzer: „Die Zeiten von Protz- und Gießkannen-Messen wie der Cebit sind meiner Ansicht nach vorbei.“
Mit zu den bekann­testen Cebit-Ausstel­­lern aus Freiburg zählt die Software­schmiede Lexware. Das Unter­nehmen mit Sitz in der Jecht­inger Straße?8 auf der Haid beschäf­tigt 260 Mitar­beiter. Der 1989 gegrün­dete Betrieb, der seit 1993 zur Haufe-Medien­­gruppe gehört, produ­ziert kaufmän­ni­sche Software für Selbst­stän­dige und kleine und mittlere Unter­nehmen sowie Finanz­soft­ware für den Privat­ge­brauch – etwa den Finanz­ma­nager Quicken und die Steuer­pro­gramme Taxman und Quicksteuer.
„Wir sind jedes Jahr auf der Cebit vertreten“, sagt Lexware-Marke­­ting-Manager Marcel Theijs. Die Messe in Hannover sei immer noch der wichtigste Anlass der Branche. „Es stand nicht zur Debatte, dieses Jahr nicht hinzu­fahren“, so Theijs, angespro­chen auf den Ausstel­ler­rück­gang. Lexware ist sogar gleich doppelt vor Ort: zum einen in Halle 5, Stand A48, mit einem 150 Quadrat­meter großen Stand, wo sich auch die Schwes­ter­un­ter­nehmen Haufe- und  WRS-Verlag zeigen, zum anderen in Halle 4, Stand A26, im Rahmen des dortigen Micro­­soft-Auftritts. „An unserem eigenen Stand konzen­trieren wir uns auf unsere Handels­partner, die Endkunden betreuen wir vor allem am Micro­­soft-Stand“, erläu­tert Marcel Theijs.
Man behalte aller­dings die weitere Entwick­lung der Messe genau im Auge. Eine Teilnah­me­ga­rantie seines Unter­neh­mens für alle Zeiten könne es auch bei der Cebit nicht geben. 
Ein Cebit-Rückkehrer ist das Freiburger Software­haus „3pleP“, Am Predi­gertor 1, das nach mehreren Jahren Absti­nenz heuer wieder in Hannover vertreten sein wird (Halle 5, Stand D?23). Der Spezia­list für Projekt­steue­rungs­soft­ware (etwa für Baupla­nungs­un­ter­nehmen und Ingenieur­büros) koope­riert dabei mit dem skandi­na­vi­schen Software­an­bieter Agresso.  „So können wir die Kosten im Rahmen halten“, erläu­tert „3pleP“-Geschäftsführer  Rainer Trendelenburg.
Doch selbst unter diesen Umständen – und nur ein bis zwei Mitar­bei­tern auf der Messe – rechnet Trendelen­burg mit Cebit-Ausgaben von rund 20000 Euro. „Wir sind aber sehr zuver­sicht­lich, dass sich das für uns lohnt“, so der „3pleP“-Manager. Sein Unter­nehmen habe 2008 den Umsatz um rund 80 Prozent auf 1,7 Millionen Euro und die Mitar­bei­ter­zahl um gut ein Drittel auf nun 20 steigern können. Auch im laufenden Jahr sei die Auftrags­lage sehr gut. „Außerdem haben wir die Cebit intensiv vorbe­reitet und   viele Kunden­kon­takte vereinbart.“
Auch der Kirch­zar­tener Anbieter von Dokumenten-Manage­­ment-Systemen „IP Systeme“ (30 Mitar­beiter), der vor allem Genos­sen­schafts­banken und Sparkassen zu seinen Kunden zählt, präsen­tiert sich an einem Gemein­schafts­stand – mit zwei Firmen der Furtwan­gener Unter­neh­mens­gruppe Reiner, zu welcher der Betrieb gehört (Halle 17, Stand D11). „Wenn wir diese Möglich­keit nicht hätten, wären wir nicht mehr auf der Cebit. Viele unserer Kunden aus Süddeutsch­land fahren auch nicht mehr hin. Die Messe hat sich verän­dert“, sagt Georg Zipfel, Geschäfts­führer von „IP Systeme“.

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