Weiter­bil­dung am Schei­deweg

„Natür­lich halten viele Weiter­bil­dung für wichtig, erfah­rungs­gemäß geht aber genau dort das Sparen los.“ Chris­tian Heinrich, Abtei­lungs­leiter bei der Freiburger Verwal­­tungs- und Wirtschafts­aka­demie VWA, spricht aus, was in der Weiter­bil­dungs­branche viele denken. Die rund 90 Anbieter von Fortbil­dungs­lehr­gängen und ‑seminaren im Raum Freiburg sind zwiege­spalten: Die Jahre 2007 und 2008 haben seit längerem wieder eine erkenn­bare Belebung gebracht, doch nun muss sich erweisen, welchen Stellen­wert beruf­liche Quali­fi­zie­rung in der Region wirklich hat.
Birgit Noé leitet das vom Land einge­rich­tete Regio­nal­büro für beruf­liche Fortbil­dung für die Kreise Emmen­dingen, Freiburg, Breisgau-Hochschwar­z­­wald, Lörrach und Waldshut. Auch sie sieht die beruf­liche Weiter­bil­dung in gewissem Sinne am Schei­deweg: „Für uns als rohstoff­armes Land ist es eigent­lich von existen­zi­eller Bedeu­tung, dass die Menschen sehr gut ausge­bildet und auf dem aktuellen Stand des Wissens sind. Doch zu viele – Arbeit­nehmer und Arbeit­geber – sehen Weiter­bil­dung vor allem als lästigen Kosten­faktor.“ Sie wünsche sich, dass die Menschen so viel für Weiter­bil­dung ausgeben würden wie fürs Fitness­studio.
In Freiburg und den Landkreisen Breisgau-Hochschwar­z­­wald und Emmen­dingen zusammen gibt es rund 90 Anbieter im Bereich beruf­liche Weiter­bil­dung, die in Arbeits­ge­mein­schaften zusam­men­ge­schlossen sind sind und vom Stutt­garter Wirtschafts­mi­nis­te­rium über das Regio­nal­büro quasi mitver­treten werden sind . Das Spektrum der Anbieter ist dabei so groß wie jenes der Quali­fi­zie­rungs­va­ri­anten: Es gibt Einzel­se­mi­nare, Abend­kurse, Block­kurse und Vollzeit­pro­gramme, es gibt Quali­fi­zie­rungen für die unter­schied­lichsten Berufe, ob Kraft­fahrer, Koch oder Kaufmann, es gibt Offerten für die verschie­denen Arbeits­be­reiche in Unter­nehmen, etwa Buchhal­tung, Verkauf, Sekre­ta­riat oder Führung. Es gibt akade­mi­sche Weiter­bil­dungen und den zweiten Bildungsweg, bei dem Schul­ab­schlüsse nachge­holt werden, und, und, und. Allein in Freiburg beginnen laut Kursda­ten­bank des Regio­nal­büros in den kommenden drei Monaten fast 400 Weiter­bil­dungs­an­ge­bote.
Nach Erhebungen des Landes haben sich 2007 rund 34 Prozent der Erwerbs­tä­tigen durch den Besuch von Kursen oder Seminaren beruf­lich fortge­bildet. In der Wirtschafts­re­gion Freiburg mit gut 300000 Erwerbs­tä­tigen entspricht dies mehr als 100000 Menschen. Gegen­über 2003, als die Weiter­bil­dung lahmte und die Weiter­bil­dungs­quote bei nur 31 Prozent lag, ist das ein klarer Zuwachs. Im Jahr 2000 aller­dings lag die Quote noch bei 40 Prozent. Die Branche hat also ein tiefes Tal durch­schritten.
„Wie es angesichts der voraus­ge­sagten Wirtschafts­krise weiter­geht, weiß keiner“, sagt Chris­tian Heinrich von der VWA. Derzeit lassen sich bei der VWA in Freiburg etwa 2000 Menschen im Laufe von drei Jahren zum Betriebs­wirt weiter­bilden, bezahlen dafür insge­samt rund 3000 Euro und verbringen zwei Abende pro Woche im Kurs. Die VWA hat neun fest angestellte Mitarbeiter.Die VWA selbst hat neun fest angestellte Mitar­beiter.
„Markt­platz  Arbeit Südbaden“
Am Donnerstag, Freitag und Samstag, 13. bis 15. November, präsen­tieren sich  bei der regio­nalen Jobmesse „Markt­platz Arbeit Südbaden“ in Freiburg zahlreiche Weiter­bil­dungs­an­bieter. Daneben geht es auf gut 7500 Quadrat­me­tern  auch um Ausbil­dung, Studium und Bewer­bung. 155 Aussteller haben sich angesagt. Geöffnet ist die Messe täglich von 10 bis 18 Uhr. Eintritt und Parkplätze sind kostenlos. Weitere Infos unter www.marktplatzarbeit.de.