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Baufe­rien — ein Relikt aus besseren Tagen

„Leider sind wir noch nicht ganz fertig mit IhremDach.Wirwürden dann in drei Wochen weiter­ma­chen, wenn die Baufe­rien rum sind.“ Solche, für Bauherren schockie­rende Erklä­rungen erholungs­be­dürf­tiger Handwerker sind selten geworden. Es gibt sie zwar noch, die Baufe­rien oder Handwer­ker­fe­rien – die diesjäh­rigen haben gestern angefangen und dauern bis 16. August. Doch ihre Auswir­kungen auf den Baustellen sind heute recht gering. Das sagt Othmar Bank, der Geschäfts­führer der Freiburger Bau‑, Zimmerer- und Dachde­­cker-Innungen sowie sechs­wei­terer Innungen des Bauge­werbes zwischen Lahr und Lörrach. Bank betreut damit insge­samt 480 Betriebe.
„Die Baufe­rien sind ein Relikt aus besseren Zeiten. Als die Auftrags­lage noch gut war und die Auftrag­geber quasi Schlange standen, hat die Branche diese Baufe­rien verein­bart, um überhaupt mal Luft schnappen zu können. Und ein Stück weit auch aus Solida­rität“, erläu­tert Bank. Heute hingegen, angesichts extrem geschrumpfter Auftrags­zahlen, könnten sich viele Betriebe nicht mehr erlauben, komplett zu schließen. „Wenn heutzu­tage ein Bauun­ter­nehmer zu einem­In­ter­es­senten sagt: ‚Für drei Wochen geht jetzt erstmal gar nichts!‘, denkt der Kunde heute doch: ‚Du warst wohl zu lange in der Sonne!‘“, so Bank. Dass der Bauver­band Südbaden noch immer zentral die Baufe­ri­en­ter­mine für sein Gebiet festlegt – auf Basis einer Befra­gung seiner Mitglieds­un­ter­nehmen –, hat laut Bank aber nichts­des­to­trotz noch eine gewisse Berech­ti­gung: „Falls ein Betrieb ausnahms­weise wirklich Betriebs­fe­rien macht oder – was häufiger der Fall ist – das Personal wegen Urlaub ausge­dünnt ist, kann er sich gegen­über Kunden besser recht­fer­tigen.“ 95 Prozent der Betriebe in seinem Verant­wor­tungs­be­reich seien aber auch in den Baufe­rien tätig.
Joachim Kreuz, Obermeister der Freiburger Innung des Sanitär- und Klima­hand­werks mit 170 Mitglieds­be­trieben, sieht es ähnlich: „Die Handwer­ker­fe­rien sind ein Überbleibsel.“ Aller­dings seien es in seinem­Ge­werk etwa noch dieHälfte der Firmen, die Betriebs­fe­rien machen, vor allemdie kleineren. Kreuz: „Den Ein- und Zwei-Mann-Unter­­nehmen gibt das Rückendeckung.“Wer könne, lasse angesichts des Wettbe­werbs­drucks aber offen. „Im Sommer haben wir im Solar- und im Bad-Bereich eine starke Nachfrage. Da wär’s Quatsch zu schließen“, so Kreuz. Seine Innung hat während der Handwer­ker­fe­rien einen Notdienst einge­richtet (0761 / 7909210).

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