Gold lockt die Einbrecher

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Erneut wurde bei zwei Freiburger Schmuckgeschäften eingebrochen. Viele Betriebe machen sich Gedanken darüber, wie sie sich besser schützen können.

Sieben Schläge reichten dem Einbrecher, um am Montag kurz nach Mitternacht die Scheibe beim “Atelier in Gold” an der Marienstraße in Freiburgs Innenstadt einzuschlagen. Ein Nachbar hat es gehört, aber dennoch konnte der Täter mit einigen Schmuckstücken entkommen – Materialwert: 500 Euro. Vor einem Jahr wurde dort schon mal eingebrochen. Da lag der Schaden bei 14000 Euro, die investierte Arbeitszeit ebenfalls nicht eingerechnet. Eingebrochen wurde Montagnacht auch bei einem Schmuckladen an der Gerberau. Das Thema beschäftigt die Branche.

Ein emotionaler Tiefschlag

“Dieses Mal haben die Täter mir wenigstens nicht noch mal den ganzen Laden ausgeräumt”, sagt Esther Rohini Sonn. Die 30-jährige Goldschmiedin ist erleichtert, obwohl auch dieser Schaden schmerzhaft und der erneute Einbruch ein emotionaler Tiefschlag ist. Aber immerhin habe sich ihre Investition in zusätzliche Sicherheitstechnik ausgezahlt. Spezielle, neu angebrachte Vorrichtungen hätten verhindert, dass der oder die Einbrecher wieder bis in den Innenraum des Ateliers vordringen konnten.

“Dieses Mal konnten sie nur durch die eingeschlagene Glasscheibe greifen und sich zwei Ringe schnappen”, so die Ladeninhaberin. Der Einbruch vor einem Jahr sei viel schlimmer gewesen. Damals sei so ziemlich alles weg gewesen, was in den Auslagen im Laden zu finden war. “Die Täter haben mir damit sieben Jahre Arbeit zunichtegemacht”, sagt Esther Rohini Sonn. Denn die Versicherung ersetze immer nur den Materialwert der selbst gefertigten Schmuckstücke. Die vielen Stunden, die sie in ihre Erzeugnisse gesteckt habe – damals noch in Teilzeit nebenher, um die Existenzgründung vorzubereiten –, seien alle dahin gewesen.

Zweiter Einbruch gleich im Anschluss

Laut verlässlichen Informationen wurde in derselben Nacht nur wenige hundert Meter weiter noch in einen zweiten Schmuckladen eingebrochen. Laut der Inhaberin, die lieber nicht namentlich genannt werden will, liegt der Schaden dort spürbar höher.

Dieter Lechler, Obermeister der Gold- und Silberschmiede-Innung Südbaden, bestätigt, dass die Themen Sicherheit und Schutz vor Kriminalität für die Innungsbetriebe sehr wichtig seien. “Wir haben für 16. Mai eine Informationsveranstaltung dazu angesetzt”, so Lechler, dessen Geschäft im Einkaufszentrum Schwarzwald-City vor einiger Zeit ebenfalls Ziel von Kriminellen war.

Die Dokumentation des Schadens ist wichtig

“Natürlich kann man technisch aufrüsten und Einbrechern ihr Tun erschweren”, sagt Lechler. Dabei steige aber das Risiko von bewaffnetem Raub. Dies höre er von Kollegen aus anderen Gegenden in Deutschland. “Wichtig ist auch, dass man als Juwelier die Dinge mit der Versicherung ausführlich bespricht, bevor ein Schaden eintritt”, so Lechler. Dies betreffe insbesondere den Nachweis des Schadens. „Da ist es zum Beispiel hilfreich, wenn man regelmäßig Fotos von den eigenen Auslagen macht“, erklärt Lechler.

Starker Anstieg der Delikte

Das Ausmaß der Eigentumsdelikte zum Schaden von Schmuck- und Uhrengeschäften hat in Deutschland in den vergangenen drei Jahren offenbar enorm zugenommen. Das sagt Martin Winckel, der im westfälischen Lünen seit vielen Jahren seinen “Internationalen Juwelierwarndienst” betreibt und dafür akribisch Daten über Einbrüche, Trickdiebstähle und Raubüberfälle zusammenträgt. So hat sich laut Winckel die Zahl der entsprechenden Delikte bundesweit von 2010 auf 2011 um gut 40 Prozent erhöht. Am stärksten zugenommen haben demnach die Diebstähle, aber auch die Einbrüche haben sich um rund 25 Prozent vermehrt.

“Der anhaltend hohe Goldpreis ist ein wichtiger Grund für diese Entwicklung”, erklärt Winckel. Auf einmal seien nun auch kleinere Schmuckgeschäfte lohnende Ziele für Kriminelle. Gold sei zudem viel leichter zu Geld zu machen als anderes hochwertiges Diebesgut. Winckel weiter: “Die Täter sind heute nach meinen Erkenntnissen in den meisten Fällen Reisetäter, die heute hier und morgen dort zuschlagen – auch über Staatsgrenzen hinweg. Das macht die Arbeit für die Polizei sehr schwierig. Hinzu kommt, dass in der überwiegenden Zahl der Fälle organisiert vorgegangen wird. Der Junkie, der spontan Geld für Drogen braucht, ist heute sicherlich die Ausnahme, wenn es um die Täterschaft bei Einbrüchen in Schmuckgeschäften geht.”

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