Was wird aus dem Freitaler?

Test!

Als das Freiburger Regiogeld „Freitaler“ Mitte November 2008 an den Start ging, waren die Hoffnungen der Macher groß. Damals war die internationale Bankenkrise nach der Lehman-Brothers-Pleite voll in Fahrt – und das Interesse an dem Regiogeld-Experiment erheblich. Inzwischen ist unter den Idealisten des schon seit 2004 bestehenden Freitaler-Vereins rund um den Vorsitzenden Johannes Weiermann und die Kassiererin und Finanzfachfrau Gitta Walchner ein Stück weit Ernüchterung eingekehrt.

Verbraucher dazu zu bewegen, Euro in Freitaler zu tauschen und diese in Verkehr zu bringen, und Unternehmer dazu zu bewegen, Freitaler zu akzeptieren, gestaltete sich umso zäher, je mehr sich Finanzwirtschaft und Konjunktur wieder stabilisierten. Zudem kam man an die Leistungsgrenzen des ehrenamtlichen Einsatzes, wie es seitens der Vereins heißt. Das Projekt stagnierte.

100 Teilnehmerunternehmer als kritische Masse

Während vor knapp zwei Jahren einmal bereits rund 11.000 Freitaler im Umlauf waren (im Wert von 11.000 Euro), sind es mittlerweile wieder nur noch 5.000. Die Zahl der teilnehmenden Händler pendelt seither um die 50. „Die kritische Masse, damit der Freitaler an Dynamik gewinnt und zum Selbstläufer werden kann, sind rund 100 teilnehmende Händler“, sagt Gitta Walchner. Ähnliche Projekte, insbesondere die Regionalwährung Chiemgauer in Bayern, zeigten dies. Dort zirkulieren inzwischen rund 400.000 Chiemgauer – bei mehr als 550 teilnehmenden Firmen.

Ein Wesensmerkmal des Freitalers, des Chiemgauers und anderer Regiogelder – es gibt etwa 30 im deutschsprachigen Raum – ist die Umlaufgebühr. Das heißt: Geld verliert im Zeitablauf sukzessive an Wert, vergleichbar mit einem Negativzins. Das soll den Umlauf des Geldes beschleunigen und so die Wohlfahrt der Teilnehmer erhöhen. Außerdem sind die Ergänzungswährungen, wie der Name schon sagt, regional begrenzt. Das soll regionale Wirtschaftskreisläufe und die lokale Wirtschaft stärken.

Umlaufgebühr und regionale Wirtschaftskreisläufe

Bei einer PR-Aktion im Dezember mit einem eigens gefertigten großformatigen 100-Freitaler-Schein wollte der Verein diese Kreisläufe verdeutlichen. Der Weg des Scheins wurde dabei über 13 Stationen hinweg verfolgt und dokumentiert. Dies wolle man nun in einem Film darstellen, so Gitta Walchner. Die Aktion war der Auftakt zu einem neuen und vielleicht letzten Versuch, weitere Mitstreiter und experimentierfreudige Verbraucher und Unternehmer zu gewinnen.

Dazu will der Verein möglichst noch im ersten Halbjahr eine bargeldlose Freitaler-Variante in Form einer „Freitaler-Karte“ einführen und – in Zusammenarbeit mit der GLS-Bank – Freitaler-Mikrokredite, teils auch zinslos. „2012 wird so oder so für uns das Jahr der Entscheidung“, so Gitta Walchner. Entweder komme nun nachhaltig Bewegung in das Experiment, oder man müsse über ein Ende nachdenken. „Immerhin macht die aktuelle Euro-Schuldenkrise die Leute wieder viel offener für Alternativen zum gegenwärtigen Finanzsystem“, sagt Walchner.

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