Er arbeitet 30 Stunden die Woche – meist an der frischen Luft – und bekommt dafür pro Monat 1081,18 Euro brutto. Davon bleiben knapp 870 Euro netto, wie er sagt. Als brandneues Mitglied im ebenfalls brandneuen VAG-Service (bisher: Fahrgastservice) gehört er zu den ersten Freiburger Bürgerarbeitern. Es handelt sich um eine vom Bund geförderte Beschäftigung für Menschen, die mindestens 18 Monate arbeitslos waren – eine Alternative zu den Ein-Euro-Jobs. „Für mich fühlt sich das besser an. Denn ich arbeite und werde dafür regulär bezahlt“, sagt er.
Der neue VAG-Service-Bürgerarbeiter, der lieber nicht mit Namen in der Zeitung genannt werden will, hat selbst Ein-Euro-Job-Erfahrung. Vor einiger Zeit war der ausgebildete Rettungsassistent bereits einmal zwölf Monate lang in der damals noch Fahrgastservice genannten Abteilung der Freiburger Verkehrs-AG (VAG) tätig. Damals hatte er dort noch eine „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung“ inne – so heißen die Ein-Euro-Jobs in der offiziellen Behördensprache. Nun ist er Bürgerarbeiter. „Das ist viel besser“, sagt er. Er fühle sich nun viel mehr als Teil der VAG und könne sich den Lebensunterhalt wieder regulär erarbeiten, fühle sich weniger als Bittsteller.
Als Rettungsassistent fand er zwei Jahre keinen Job
In seinem Beruf als Rettungsassistent habe er gut zwei Jahre lang keine Anstellung bekommen. Da kam die Einberufung zur Bürgerarbeit gerade recht. Zusätzlich zu seinem VAG-Job verdingt er sich noch stundenweise bei einem Reifenhandel.
Die VAG will nach eigenen Angaben insgesamt 15 Bürgerarbeiter im Service einsetzen. Die Ein-Euro-Jobber fallen weg. Sie sollen, nach einer Schulung, Fahrgästen nötigenfalls beim Einsteigen helfen, auf die Sicherheit achten und zum reibungslosen Ablauf beitragen – insbesondre am Bertoldsbrunnen, am Siegesdenkmal und auf der Stadtbahnbrücke.
Weniger Bürgerarbeitsplätze als gedacht
Nach Angaben des Freiburger Jobcenters, das für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen zuständig ist und damit auch für das Bürgerarbeitsprojekt, sind derzeit in Freiburg 100 solche Stellen bewilligt, für 13 weitere laufe noch das Verfahren. Eigentlich habe man ursprünglich 140 Stellen bei der Stadt und freien Trägern zusammen akquirieren wollen, doch das habe nicht geklappt – und dies, obwohl Träger für bewilligte Stellen drei Jahre lang monatlich 1080 Euro aus der Kasse des Bundes erhalten. Die Stellen müssen allerdings zusätzlich und gemeinnützig sein. Laut Jobcenter sind von den 100 genehmigten Stellen bereits 47 besetzt.
Die meisten Bürgerarbeitsplätze hat bislang der Verein VABE als kommunaler Beschäftigungsträger geschaffen, nämlich 60. Der VABE wiederum verleiht die Bürgerarbeiter wie eine Zeitarbeitsfirma an andere Einsatzstellen bei der Stadt und bei städtischen Gesellschaften. Dazu gehören auch die 15 Bürgerarbeitsplätze bei der VAG.
Zu den 17 anderen freien Trägern der Bürgerarbeitsplätze machte das Jobcenter aus Datenschutzgründen keine Angaben. Die Entlohnung könne dort gegebenenfalls auch anders ausfallen als beim VABE. Insgesamt wurden anfangs 500 Langzeitarbeitslose für die Bürgerarbeit ausgewählt und auch in einer „Aktivierungsphase“ speziell qualifiziert. Von Anfang an sollten mehr Menschen aufgenommen werden, als Stellen zur Verfügung stehen würden. Dass der Überhang nun so groß ist, war aber nicht geplant.

