Es war eine bittere Pille, die rund 110 Mitarbeiter des Essilor-Konzerns am Standort Freiburg in den Wochen vor Weihnachten zu schlucken hatten. Das französische Unternehmen hatte beschlossen, seine Produktion in Freiburg zu schließen und sich in diesem Zuge von fast der Hälfte seiner Leute in Freiburg zu trennen.
Seither ist etwa ein halbes Jahr vergangen. Wie der stellvertretende Essilor-Betriebsratsvorsitzende Jörg Lutteropp, der selbst auch vom Stellenabbau betroffen ist, auf Anfrage mitteilte, sind aktuell schätzungsweise noch zwei Drittel der gekündigten Essilor-Beschäftigten ohne neuen Arbeitsplatz. „Meines Wissens nach wurde ein Kollege bei Essilor intern an einen anderen Standort des Konzerns vermittelt, eine Hand voll Kollegen ist schon im Rentenalter und etwa 20 Kollegen haben mittlerweile woanders eine Anstellung gefunden“, so Lutteropp.
Dabei hatte sich sogar der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (WVIB) für die Vermittlung der Leute starkgemacht. WVIB-Geschäfstführer Christoph Münzer: „Der Fachkräftemangel bei unseren rund 1000 Mitgliedsunternehmen ist ein Faktum.“ Darum habe der WVIB, nachdem ihn kurz vor dem Jahreswechsel die Nachricht vom Stellenabbau bei Essilor erreichte, gleich sein Mitgliedernetzwerk aktiviert, um den betroffenen Essilor-Mitarbeitern zu helfen und auf Vermittlungen hinzuarbeiten.
Zwischen den Jahren habe der WVIB Personalleiter gebeten, offene Stellen ihrer Firmen zu melden. Innerhalb der ersten zwei Monate 2011 seien daraufhin gut 180 Reaktionen von Mitgliedsfirmen eingegangen. Gesucht worden seien Fachkräfte, aber auch Produktions- und Montagehelfer aus den unterschiedlichsten Bereichen der Fertigung und Produktion. Insgesamt 400 Stellengesuche von 80 unmittelbar in der Region um Freiburg ansässigen Mitgliedsfirmen seien an Essilor weitergeleitet worden. Einige Firmen hätten ihre Stellenangebote dann sogar direkt bei Essilor vorgestellt.
Letztlich sind dadurch offenbar etwa zwei Dutzend Essilor-Leute bei anderen Firmen untergekommen. Der Kontaktlinsenhersteller Hecht in Au, der selbst etwa 100 Beschäftigte zählt, konnte nach Angaben des Seniorchefs Dieter Muckenhirn eine Verantwortliche für Qualitätsmanagement von Essilor übernehmen. Auch die Sick AG in
Waldkirch habe kurzfristig zahlreiche Stellen für Montagehelfer, Lageristen und Produktionsmitarbeiter bereitgestellt, so der WVIB. Sick teilte mit, man habe einige frühere Essilor-Mitarbeiter in die eigenen Reihen aufgenommen.
36 der Gekündigten haben zu einer im Sozialplan vereinbarten Transfergesellschaft gewechselt, wo sie qualifiziert werden und ein Jahr lang 85 Prozent ihres Nettogehalts erhalten, sofern sie nicht eine längere Kündigungsfrist hatten, wie Verdi-Gewerkschaftssekretär Gerd Vetter mitteilte. Von dort aus suchen sie neue Jobs. „Unter den sonst Verbliebenen sind zahlreiche Franzosen, die nun in Frankreich eine Stelle suchen sollen“, sagt Jörg Lutteropp. Vielle Kollegen seien sehr spezialisiert oder aber eben nur angelernt, sodass sie vom Fachkräftemangel bisher nicht profitiert hätten.

