Enttäuscht vom Personalrat
Gut 170 Beschäftige der Zentralküche und anderer Serviceabteilungen der Freiburger Uniklinik haben per Unterschrift öffentlich dem Klinikpersonalrat, der eigentlich ihre Interessen vertreten soll, ihr Misstrauen ausgesprochen.
Sie sind die Klinikmitarbeiter mit den geringsten Löhnen – die Grundentgelte beginnen bei 1400 Euro brutto monatlich. Die Klinikleitung will ihnen nun zudem eine jüngst ausgehandelte Tariferhöhung nicht gewähren. Der Personalrat kümmere sich nicht um ihre Situation, klagen die Betroffenen. Dort sieht man sich zu Unrecht kritisiert.
“Wir geben hiermit bekannt, dass wir dem Personalrat des Klinikums unser Vertrauen entziehen”, so heißt es auf den Unterschriftenlisten, die von mehr als 170 Niedriglohn-Beschäftigten des Klinikums seit 18. November unterzeichnet worden sind und die der BZ vorliegen.
Auch die Gründe dafür werden genannt: Der Personalrat zeige kein Interesse daran, sich für die Belange der 120 Mitarbeiter in der Zentralküche, der 80 Mitarbeiter in der Wäscherei und der 400 Mitarbeiter im Reinigungsdienst stark zu machen. Er sei in den drei Abteilungen auch kaum präsent. Und vor allem sei der Personalrat letztlich mitverantwortlich dafür, dass Tariferhöhungen an den am schlechtesten bezahlten Mitarbeitern vorbei gehen.
Tariferhöhung kommt nicht
Tatsächlich bestätigte die Verwaltungsleitung der Klinik gestern, dass ihrer Ansicht nach die insgesamt 600 Servicemitarbeiter keinen Anspruch auf die vor einem Monat zwischen der Gewerkschaft Verdi und den vier baden-württembergischen Unikliniken ausgehandelte Tariferhöhung haben. Diese beinhaltet eine Einmalzahlung von 200 Euro, eine Erhöhung des Monatslohns um 40 Euro ab 1. Januar sowie eine weitere Erhöhung um zwei Prozent ab 1. April. Offenbar hatte es eine Art Kommunikationsproblem zwischen Verdi und dem Arbeitgeber gegeben.
“Wir gehen jedenfalls leer aus, obwohl wir schon jetzt nicht von dem Gehalt leben können”, sagt einer der Initiatoren der Protestaktion. Er verdiene bei 39 Stunden Wochenarbeitszeit 1270 Euro netto pro Monat – zu wenig zum Leben für ihn, seine Frau und die beiden kleinen Kinder. Seine Frau und auch er würden darum zusätzlich noch einen 400-Euro-Job ausüben. Das heißt für ihn: weitere 50 Stunden Arbeit jeden Monat, also etwa 11,5 Stunden pro Woche – bei acht Euro Stundenlohn.
Der Personalrat nehme offenbar gar nicht richtig zur Kenntnis, wie schwierig die Lage sei. Im August hatten die Servicekräfte schon einmal Unterschriften zusammengetragen, 470 Stück, um bei der Klinikleitung auf ihre prekäre Lage hinzuweisen. “Doch der Personalratsvorsitzende hat das gar nicht ernst genommen. Er hat hat kaum ein Wort gesagt”, so ein Mitarbeiter aus der Zentralküche, der damals dabei war, als die Listen der kommissarischen Kaufmännischen Direktorin Anja Simon überreicht wurden.
Personalratsvorsitzender soll Zustände “paradiesisch” genannt haben
Stattdessen habe Personalratschef Helmut Pötzsch hinterher die Servicemitarbeiter ermahnt, die Lage nicht zu dramatisieren. Im Vergleich zu Kollegen an den anderen Unikliniken sei die Situation in Freiburg doch “paradiesisch”.
“Im engagierten Gespräch sagt man vielleicht so etwas”, räumt Pötzsch ein. Wörtlich gemeint habe er es aber nicht. “Ich wollte sagen, dass die Servicemitarbeiter an anderen Unikliniken schon lange an Dienstleistungsfirmen ausgegliedert wurden und nun bis zu 30 Prozent weniger verdienen als hier.”
Zudem setze sich der Personalrat sehr wohl auch für die Servicemitarbeiter ein. Man werde in Kürze mit der Klinikleitung nachverhandeln, um doch noch eine Tariferhöhung zu erreichen. Heute wollen Vertreter des Personalrats in den Serviceabteilungen um neues Vertrauen werben.
“Das Vergleichen mit Ulm oder Tübingen bringt uns nicht weiter”, sagt indes ein Mitarbeiter der Zentralküche. Bald werde es heißen, in Afrika sei die Lage aber noch schlimmer. “Jeder muss dort, wo er ist, für Verbesserungen kämpfen.”
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