IDS Scheer und Ciber: zwei Freiburger SAP-Service-Anbieter im Clinch

Test!

Eine Art Wirtschaftskrimi ist derzeit auf dem Markt für SAP-Services in der Region im Gange – zwischen den Firmen IDS Scheer und Ciber. Offenbar hat eine Gruppe leitender Mitarbeiter von IDS Scheer Freiburg geschlossen gekündigt und eine Filiale des Konkurrenten Ciber eröffnet.

Sie sollen zudem in zwei Wellen 85 von 140 IDS-Scheer-Leute gleichsam mitgenommen haben – und dazu Kunden und Firmendaten. Es gab eine Anzeige wegen Untreue und Geheimnisverrat sowie Hausdurchsuchungen. Ob aber wirklich illegal gehandelt wurde, ist völlig offen.

IDS Scheer ist als lokale Erfolgsgeschichte in Sachen SAP-Beratung und SAP-Service im Raum Freiburg bekannt geworden. Die hiesigen Mitarbeiter des seit 1984 bestehenden und in Saarbrücken beheimateten Unternehmens helfen Firmen, die betriebswirtschaftliche Software SAP bei sich im Betrieb einzuführen. Und sie bieten so genannte Managed Services an. Das bedeutet, dass Kunden ihre elektronische Datenverarbeitung in Teilen oder auch komplett auf Server bei IDS Scheer auslagern können.

Die Freiburger Niederlassung von IDS Scheer ging vor fünf Jahren in Büroräumen im Hauptbahnhof, Bismarckallee 9, mit etwa 40 Beschäftigten an den Start und verzeichnete in der Folge ein kräftiges Wachstum. Die Mitarbeiterzahl am Standort wuchs bis auf 140 an. Maßgeblich beteiligt daran: der rührige und, so wird über ihn gesagt, charismatische Niederlassungsleiter.

Zum Eklat kam es Ende September 2009 – nachdem bekannt geworden war, dass IDS Scheer an die Software AG verkauft wird. Der Niederlassungleiter und etwa ein Dutzend weiterer IDS-Scheer-Manager am Standort Freiburg reichten offenbar zeitgleich ihre Kündigungen ein. Im Hauptbahnhof, Bismarckallee 7a, also Tür an Tür mit ihrem bisherigen Arbeitgeber, eröffneten die Ausscheider kurz darauf eine Ciber-Filiale. Ciber ist eine internationale IT-Beratungsfirma, die in Deutschland von Heidelberg aus gelenkt wird. Der bisherige IDS-Scheer-Niederlassungsleiter leitet nun seit Dezember die neue Ciber Managed Services GmbH. Am Geschäftsmodell änderte sich für ihn praktisch nichts: Es blieb bei Beratung und Managed Services rund um SAP.

Insgesamt wechselten in einer ersten Welle nach mir vorligenden Infos etwa 30 IDS-Scheer-Leute zu Ciber, großteils leitende Mitarbeiter. Das sorgte, so sagen Insider, für eine gewisse Orientierungslosigkeit und Unsicherheit bei den verbleibenden Kollegen. Später wechselten dann nochmals gut 50 weitere Mitarbeiter von IDS Scheer zu Ciber.

Der Verlust der Führungsspitze und eines Großteils der Mitarbeiter führte indes nicht zum Ende von IDS Scheer in Freiburg – was laut gut informierten Quellen den handelnden Personen vielleicht nicht ungelegen gekommen wäre. Im Gegenteil. Der Vorstandsvorsitzende von IDS Scheer Peter Gérard machte die Geschichte zur Chefsache, wie kolportiert wird. Gérard lebt auch in Freiburg – und konterte die Vorgänge in seiner Heimatstadt, indem er IDS-Scheer-Mitarbeiter von anderen Standorten herbei beorderte. Auch neue Leute wurden angeworben. Als Chef des dezimierten Standorts wurde Peter Patzina installiert. Manche Kenner der Vorgänge sagen, die Sache habe sich zu einem persönlichen Duell zwischen Gérard und dem ausgeschiedenen Niederlassungsleiter entwickelt.

Fakt ist, dass IDS Scheer gegen elf Ex-Mitarbeiter Anzeige wegen Untreue und Geheimnisverrat erstattet hat, dass die Freiburger Staatsanwaltschaft in der Sache ermittelt, dass im April Firmen-und Privaträume durchsucht wurden – aber auch, dass völlig offen ist, ob gegen Gesetze verstoßen wurde und Klage erhoben wird. Laut Staatsanwaltschaft wird das wohl erst in einigen Monaten klar sein.

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