Südbadische Währungsreform

Der Euro hat einen Kollegen bekommen – oder einen Konkurrenten, wie auch immer man es sieht. Am Samstag, 15. November, um 11 Uhr fiel der Starschuss für die regionale Zweitwährung Freitaler, die in Zukunft in Freiburg und im Umland zusätzlich zum Euro zirkulieren wird. Im Café Domino an der Konviktstraße feierten die Verantwortlichen des Freitaler-Vereins, der das neue Regiogeld erdacht hat, herausbringt und künftig weiter vorantreibt, sowie rund 30 Unterstützer und Gewerbetreibende, die neue Vielfalt für den Geldbeutel.

Insgesamt kamen zum Auftakt am Samstag rund 1200 Freitaler in Umlauf, und zwar in Form von blauen 1-Freitaler-Scheinen (Motiv: Martinstor), gelb-orangen 5-Freitaler-Scheinen (Motiv: Rathaus) sowie grünen 10-Freitaler-Scheinen (Motiv: Historisches Kaufhaus). Weitere Noten mit ergänzenden Werten sind in Vorbereitung. Diese Freitaler entsprechen im Wert zwar genau dem Euro, haben aber zwei besondere Eigenschaften, die sie nach Auskunft von Jens Mannheim vom Freitaler-Verein für die regionale Wirtschaft besonders vorteilhaft und damit für den Wohlstand und das Wohlergehen aller Menschen im Freiburger Raum besonders förderlich machen.

Erstens: Freitaler verschwinden nicht aus der Region. Weil nur Gewerbetreibende, Freiberufler und Unternehmen aus Freiburg und dem Umland Freitaler annehmen, fließt die neue Freitaler-Kaufkraft nicht in Form von Gewinnen, Zinsen, Steuern oder sonstigen Zahlungsvorgängen woandershin ab. Solang Freitaler nicht in Euro zurückgetauscht werden, was zwar jederzeit möglich ist, aber aus Sicht der Freitaler-Macher künftig immer seltener der Fall sein soll, bleiben die nun ausgegebenen 1200 Freitaler und alle, die ab sofort hinzukommen, stets der Region als Zahlungsmittel erhalten. „Das stärkt die Wirtschaftskreisläufe hier vor Ort“, so Jens Mannheim.

Zweitens: Anders als Euro weisen Freitaler eine Art Verfallsdatum auf. Die am Samstag ausgegebenen 5-Freitaler-Scheine etwa müssen erstmals zum 1. April 2009 mit einer 10-Cent-Klebemarke (gemeint sind Euro-Cent) wieder „aktiviert“ werden, damit sie weiter nutzbar sind, und danach alle drei Monate. Die Idee dahinter: Die jeweiligen Besitzer der Scheine haben einen starken Anreiz das neue Geld schnell wieder loszuwerden, also auszugeben. Jens Mannheim: „Das erhöht die Umlaufgeschwindigkeit und damit die wirtschaftliche Aktivität.“ Die CDU-Gemeinderärin Ellen Breckwoldt, die zum Start der neuen Regionalwährung ins Café Domino gekommen war, nannte den Freitaler ein „interessantes Projekt“. Das Vorhaben sei begrüßenswert, weil es vor allem den kleinen und mittleren Firmen zu Gute komme. „Ich werde im Gemeinderat ausführlich davon berichten“, so Ellen Breckwoldt.

Ab sofort können Konsumenten Euros in Freitaler tauschen. Die erste Ausgabestelle ist das Café Domino, bald schon sollen in allen Stadtteilen weitere Ausgabestellen hinzukommen. Anreiz zum Umtausch ist ein zehnprozentiger Bonus. Für zehn Euro gibt es also elf Freitaler. Bei einem eventuellen Rücktausch gibt es allerdings für zehn Freitaler auch nur neun Euro. Bisher nehmen rund drei Dutzend Unternehmer die Zweitwährung als Euro-Ersatz an, unter anderem die Café-Domino-Wirtin Gudrun Johner, der Gastronom Toni Schlegel (mit Webers Weinstube), die Betreiberinnen der Black-Forest-Hostel Corinna Schusser und Tania Rittershaus, der Friseur Andreas Sturm, Elektro-Müller oder die Akkordeon-Werkstatt Maurer.

„Jetzt geht es darum, dass der Freitaler mehr und mehr Akzeptanz findet – bei den Konsumenten und in der Wirtschaft„, sagte Johannes Weiermann, der Chef des Freitaler-Vereins. Weitere Unternehmer als Teilnehmer seien hochwillkommen. Ralf Becker vom Regiogeld-Bundesverband, dem insgesamt 60 Regiogeld-Initiativen im deutschsprachigen Raum angehören, sagte beim Freitaler-Startschuss, in der Regel werde fast ein Drittel der Wirtschaftsleistung auf regionaler Ebene erbracht und könne mittels Regiogeldern abgewickelt werden. Demzufolge hätte der Freitaler noch eine große Zukunft vor sich.
www.freitaler.org, www.regiogeld.de


Dieser Beitrag stammt vom
Montag, 17. November 2008.

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Rubrik: Machenschaften




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